Top-Thema | 21.10.2008
Schmuck statt Sex
Die Stadt Amsterdam im Wandel: Das historische Rotlichtviertel soll eine neue Perspektive bekommen und ein anderes Publikum anlocken. Doch die Pläne stoßen auf Widerstand.
Das Rotlichtviertel in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam ist eines der bekanntesten in Europa. Besonders die halbnackten Damen, die sich in den Schaufenstern der Häuser präsentieren, ziehen viele Kunden an. Doch jetzt will die Stadt Amsterdam ihren Ruf verbessern. Statt Prostitution sollen Kunsthandwerk und Mode die Besucher anlocken.
Unter dem Motto "Red Light Fashion" durften bereits einige Modemacher ins Rotlichtviertel ziehen. Für ein Jahr können sie die ehemaligen Bordelle kostenlos nutzen. Auch Schmuckdesignerin Gesine Hackenberg bietet ihre Stücke dort an, wo bis vor kurzer Zeit noch Frauen ihre Körper verkauft haben. Ein bisschen komisch ist das schon, meint sie, aber dafür laufen hier täglich Hunderte von Touristen vorbei.
Das berüchtigte Viertel im ältesten Teil Amsterdams soll aufgewertet werden, doch die Bewohner wollen nicht kampflos gehen. Deshalb haben sich die Prostituierten mit Sexclubbesitzern und Kneipenwirten zusammengeschlossen. Sie befürchten, wieder auf dem Straßenstrich zu landen oder in die Illegalität abzurutschen.
Aus Protest ziehen die Frauen die Vorhänge zu, wenn sich jemand nähert, der nicht wie ein Freier aussieht. Die Modemacher und Schmuckdesigner wissen, dass sie als Eindringlinge angesehen werden. Gesine Hackenberg hat bruchfestes Glas in ihrem Schaufenster anbringen lassen. Sicherheitshalber.
Glossar
Rotlichtviertel, das – der Teil einer Stadt, in dem es viele → Bordelle gibt
jemanden anlocken – jemanden dazu bringen, zu einem bestimmten Ort zu kommen
Perspektive, die – hier: die Möglichkeiten und Chancen für jemanden/etwas in der Zukunft
sich präsentieren – sich bewusst in der Öffentlichkeit zeigen
jemand/etwas zieht jemanden an – hier: starkes Interesse bei jemanden wecken
Ruf, der – hier: die Meinung, die die Leute von jemanden/etwas haben; das allgemeine Ansehen
Prostitution, die – der Sex gegen Geld (bei Prostituierten)
Motto – hier: ein Spruch, der als Titel für ein Vorhaben dient
Bordell – ein Haus, in dem Prostituierte arbeiten
Schmuckdesigner/-in – jemand, der Schmuck nach seinen eigenen Vorstellungen herstellt
berüchtigt – sehr bekannt für etwas Negatives
etwas aufwerten – den Wert oder das Ansehen von etwas verbessern
sich zusammenschließen – eine Gemeinschaft bilden, um ein Ziel zu erreichen
Straßenstrich – eine Straße, auf der Prostituierte auf Kunden warten
in die Illegalität abrutschen – mit Tätigkeiten anfangen, die verboten sind
Freier, der – jemand, der für Sex zu einer Prostituierten geht
Eindringling, der – jemand, der ohne Erlaubnis irgendwo hineingeht
bruchfest – so, dass etwas nicht leicht kaputt gehen kann
sicherheitshalber – aus Gründen der Sicherheit
Fragen zum Text
1. Wen will die Stadt Amsterdam ins Rotlichtviertel locken?
a) Freier
b) Modeinteressierte
c) Kneipenwirte
2. Gesine Hackenberg befürchtet, dass …
a) die Prostituierten ihre Vorhänge zuziehen könnten.
b) ihre Fensterscheibe eingeschlagen werden könnte.
c) sie in die Illegalität abrutschen könnte.
3. Die Modemacher im Rotlichtviertel … ein Jahr lang keine Miete bezahlen.
a) müssen
b) können
c) dürfen
4. Wie kann der folgende Satz anders ausgedrückt werden: "Prostituierte und Kneipenwirte wollen nicht kampflos gehen"?
a) Entweder Prostituierte oder Kneipenwirte wollen kampflos gehen.
b) Sowohl Prostituierte als auch Kneipenwirte wollen kampflos gehen.
c) Weder Prostituierte noch Kneipenwirte wollen kampflos gehen.
5. Welcher Satz hat eine andere Bedeutung als die Aussage: "Ein bisschen komisch ist das schon"?
a) Schon ist das ein bisschen komisch.
b) Das ist schon ein bisschen komisch.
c) Komisch ist das schon ein bisschen.
Arbeitsauftrag
Wie beurteilen Sie die Idee der Stadt Amsterdam für das Rotlichtviertel? Führen Sie eine Podiumsdiskussion und übernehmen Sie dabei zum Beispiel die Rolle einer Prostituierten, eines Geschäftsinhabers, eines Touristen oder des Bürgermeisters.
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