Top-Thema | 03.10.2008
Kriegsverbrechen an Kongos Frauen
Im Kongo herrscht seit Jahren Bürgerkrieg. Vor allem die Situation der Frauen ist dramatisch: Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung und viele Frauen wurden mit HIV infiziert.
Immaculée Birhaheka lebt im Ostkongo, wo seit Jahren ein Bürgerkrieg herrscht. Sie leitet eine Frauenorganisation, die sich um vergewaltigte Frauen kümmert. "Die Frauen werden vergewaltigt und leben weit weg von den Gesundheitszentren. Außerdem ist da das Problem der Scham. Wenn ein Mann erfährt, dass seine Frau vergewaltigt wurde, dann verstößt er sie", erzählt die Menschenrechtlerin. Deshalb sprechen viele missbrauchte Frauen nicht darüber.
Für viele Opfer ist die Vergewaltigung keine einmalige Erfahrung. Immaculée Birhaheka erzählt, dass zum Beispiel junge Mädchen als Sexsklavinnen gehalten werden. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen schätzt, dass drei Viertel aller Vergewaltigungen weltweit im Ostkongo stattfinden. "Wir wissen", so Immaculée Birhaheka, "dass zwischen Januar und März allein in Nordkivu 15.000 Frauen vergewaltigt wurden."
Die Frauenärztin Monika Hauser arbeitet für die Organisation Medica Mondiale. "Die HIV-Infektionsrate ist extrem hoch. Wir haben keine genauen Zahlen." Aber ungefähr 95 Prozent der missbrauchten Frauen, die die Organisation untersucht, sind HIV-positiv. "Und wir wissen, dass über zwei Drittel aller Frauen zwischen zehn und achtzig Jahren sexualisierte Gewalt erlebt haben", sagt Monika Hauser.
Auch die UNO schätzt die sexualisierten Verbrechen an Frauen im Kongo als die weltweit schlimmsten ein. Seit einigen Monaten beschäftigt sich der Internationale Gerichtshof in Den Haag damit. Durch eine neue UNO-Resolution ist es möglich, die Täter auch dort zu bestrafen. Bis jetzt fehlt aber noch die erforderliche Unterstützung, meint Immaculée Birhaheka. Die Lage der Frauen im Kongo ist nach wie vor dramatisch.
Glossar
Bürgerkrieg, der – ein Krieg zwischen verschiedenen Gruppen in einem Land
dramatisch – hier: sehr schlimm
Vergewaltigung, die – wenn jemand von einer anderen Person zum Sex gezwungen wird
etwas ist an der Tagesordnung – etwas passiert jeden Tag oder sehr häufig
HIV – das Virus, das die Krankheit Aids verursacht
jemanden infizieren – eine Krankheit an jemanden weitergeben; jemanden anstecken
Scham, die – das Gefühl, dass einem etwas peinlich ist
verstoßen – hier: wegschicken
Menschenrechtler/in, der/die – jemand, der für die Rechte der Menschen kämpft
jemanden missbrauchen – sexuelle Handlungen gegen den Willen einer Person vornehmen
einmalig – so, dass etwas nur ein einziges Mal passiert
Sklave, der – ein Arbeiter, der gekauft wurde und nicht frei ist
schätzen – hier: eine ungefähre Zahl sagen, vermuten
weltweit – auf der ganzen Welt
Infektionsrate, die – die Anzahl der Menschen, die die Krankheit bekommen haben
HIV-positiv – mit dem HIV-Virus infiziert
sexualisierte Gewalt, die – Gewalt, die im Zusammenhang mit Sex steht
Resolution, die – der Beschluss
erforderlich – nötig
nach wie vor – heute genauso wie früher
Fragen zum Text
1. Die Frauen im Kongo sprechen nicht darüber, dass sie vergewaltigt wurden …
a) weil die Täter sowieso nicht bestraft werden können.
b) weil sie Angst haben, dass ihre Männer sie wegschicken.
c) weil Bürgerkrieg in ihrem Land herrscht.
2. Durch die neue UNO-Resolution …
a) hat sich die Situation der Frauen im Kongo bereits stark verbessert.
b) soll sich in Zukunft die Situation der Frauen im Kongo verbessern.
c) hat sich die Situation der Frauen im Kongo noch weiter verschlechtert.
3. Was sagt die Organisation Ärzte ohne Grenzen?
a) Ungefähr 20 Prozent aller Vergewaltigungen weltweit finden im Kongo statt.
b) Ungefähr 43 Prozent aller Vergewaltigungen weltweit finden im Kongo statt.
c) Ungefähr 75 Prozent aller Vergewaltigungen weltweit finden im Kongo statt.
4. 66 Prozent der Frauen zwischen zehn und achtzig Jahren wurden missbraucht. Das sind …
a) ein Viertel der Frauen.
b) die Hälfte der Frauen.
c) zwei Drittel der Frauen.
5. Monika Hauser …
a) schätzt den Anteil der HIV-positiven Frauen auf 10 Prozent.
b) schätzt, wie viele Frauen von ihren Männern verstoßen werden.
c) schätzt, dass die HIV-Infektionsrate sehr hoch ist.
Arbeitsauftrag
Im Oktober 2008 hat die Frauenärztin Monika Hauser für ihre Arbeit mit vergewaltigten Frauen den Alternativen Nobelpreis bekommen. Bilden Sie Gruppen und suchen Sie im Internet Informationen. Wie begann Monika Hausers Arbeit und was ist das Ziel von Medica Mondiale?
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